Anstieg von Trichophyton tonsurans im Zeitraum von 2008 bis 2024

Der anthropophile Dermatophyt Trichophyton (T.) tonsurans ist unter anderem als sogenannter „Mattenpilz“ aus dem Ringsport bekannt. In den letzten Jahren werden Dermatomykosen durch diesen Erreger in Deutschland zunehmend häufiger diagnostiziert. Die Übertragung von T. tonsurans in Ringervereinen ist kein neues Phänomen; das damit assoziierte Krankheitsbild wird als Tinea gladiatorum bezeichnet. Die Infektion erfolgt überwiegend durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt infolge des intensiven Körperkontakts beim Ringen. Eine indirekte Übertragung über kontaminierte Mattenoberflächen ist ebenfalls möglich und sollte insbesondere im Rahmen präventiver Maßnahmen, wie einer regelmäßigen und konsequenten Flächendesinfektion, berücksichtigt werden. Dennoch gelingt es bislang nicht, Neuinfektionen und Ausbrüche dauerhaft zu verhindern.
Seit einigen Jahren wird in Deutschland zudem eine Übertragung von T. tonsurans im Zusammenhang mit Kopfhaarschnitten und Rasuren in Barbershops beobachtet. Vor dem Hintergrund der medial berichteten, bundesweiten Häufung von Dermatophytosen in diesem Kontext wurde das Vorkommen von T. tonsurans anhand labordiagnostischer Nachweise im Labor Leipzig-Mölbis retrospektiv ausgewertet.
Ab dem Jahr 2015 zeigte sich zunächst ein langsamer, aber kontinuierlicher Anstieg der Prävalenz von Tinea corporis und Tinea capitis durch diesen hochkontagiösen Dermatophyten, vor allem assoziiert mit Infektionen im Ringermilieu. Seit Ende 2019 und Anfang 2020 traten vermehrt Fälle von Tinea capitis, Tinea barbae und Tinea faciei nach Barbershop-Besuchen auf. Die Zahl der labordiagnostischen Nachweise stieg im Jahr 2023 auf 347 Fälle an. Ein vorläufiger Höhepunkt wurde im Jahr 2024 mit 538 nachgewiesenen T. tonsurans-Infektionen erreicht, wobei der steigende Trend weiterhin anhält. Inzwischen ist deutschlandweit mit dem Auftreten von Dermatophytosen durch T. tonsurans zu rechnen. Besonders neu und besorgniserregend ist dabei der Übertragungsweg im Zusammenhang mit Kopfhaarschnitten und Rasuren. Zusätzlich werden vermehrt Ausbrüche in Kindertageseinrichtungen sowie intrafamiliäre Übertragungen beobachtet.
Bild: Tino Wetzig, Chefarzt, Klinik für Dermatologie, Dermatochirurgie und Allergologie, Weißenfels